Meer und mehr…

Meer und mehr…

 

Meer und mehr…

Heute morgen habe ich dem Meer gelauscht. Ich habe mich zu ihm gesetzt und mit dem Herzen gehört. Es war noch dunkel, so dass die Sonne uns nicht stören konnte. Ich habe gelauscht und das Meer hat geschwiegen. Es war, als würde es vor Staunen den Atem anhalten und versuchen ganz besonders still zu sein. „Warum?“ habe ich gefragt. „Pssss…ich will Dich nicht erschrecken…“ „O, von Herzen DANKE! Du weißt, dass ich Angst vor Dir habe…“ Da musste es ein wenig glucksen und sagte: „Das ist schon komisch! Ich bin Du…und Du hast Angst vor mir!“ Jetzt prustete das Meer ein wenig vor Lachen und ein paar Wasserspritzer erreichten mich auf meinen Stein. „Ich respektiere und achte Deine Ängste.“ sagte es leise zu mir. Plötzlich hatte ich Tränen in den Augen und wusste nicht, warum. Wir schwiegen.Sonnenaufgang Meer

Mir fiel ein, dass auch meine Tränen einen nicht unbedeutenden Salzgehalt haben: Im menschliche Körper mit seinen unterschiedlichen Körperflüssigkeiten, ist eine ganze Tasse Salz gelöst! Gleich fühlte ich mich ihm viel mehr verbunden. Verbunden mit dem Meer. „Wo immer ich hinkomme, suche ich Dich…“ sagte ich. „Du suchst DICH. In mir.“ Das Meer schickte zur Bekräftigung ein paar energisch-brausende Wellen an die Felsen, auf denen ich saß. Ich erschauerte und legte meine Hand schnell auf mein Herz. Es klopfte in einem ganz ähnlichen Rhythmus, wie das Meer, nur viel schneller. Ich rutschte ein wenig tiefer zum Meer hin und erlaubte dem Meer mit meinen Füßen zu spielen. „Dann habe ich also Angst vor mir selbst?“ überlegte ich. Das Meer antwortete nicht. Ein leichtes, rosafarbenes Glitzern lief vom Horizont her, über das Meer und direkt auf mich zu: die Sonne tastete mit ersten, warmen Strahlen einem neuen Tag entgegen.

Torrevieja, 28.10.2021

Torrevieja…

50 km südlich von Alicante und an der spanischen Costa Brava gelegene Kleinstadt ist meine „letzte Tankstelle vor der Grenze“. Obwohl…es ist natürlich die Co.liv.finca von Ela Krieger in Torrevieja! Obwohl…NATÜRLICH sind es Ela und Pauline!

Dieses unhandlich-sperrige und zuweilen doch sehr scharfkantige „Entweder-oder“ habe ich übrigens zuhause gelassen. Ich habe es nicht finden können. Und ich habe nicht nach ihm gesucht…

Tagsüber ist es warm genug, um im Meer zu schwimmen und dieser intensiv-blaue Himmel lässt sowieso die Anspannung und den großen Druck, der sich in den letzten Wochen und Monaten direkt um mich herum aufgebaut und mit scharfen Klauen nach mir gegriffen hat, einfach verblassen.

Und die Sonne strahlt sowieso mit meiner Freude und meinem Herzen um die Wette…

Mit Ela und Pauline verbindet mich tiefe, vertraute Herzensfreundschaft. Eine Freundschaft, die das Vertrauen beinhaltet, sich einander zuzumuten. Egal, wie ich – wie das Leben – gerade ist.

Wir schlendern gemeinsam über Märkte, wandern am Strand und trinken Coffee con leche in der Sonne. Suchen Spuren von Römern und Katharern in Cartagena und schweigen gemeinsam, um die Flamingos in den Salzseen im Abendlicht nicht zu stören.              Michael nimmt mich mit seinem Segelboot mit hinaus auf’s Meer und ich wundere mich kein bisschen mehr über mein Leben, wenn er dabei von seiner Liebe zu Südamerika und insbesondere Mexiko erzählt…

Und da ist sie wieder, diese angenehme, kribbelige Aufregung vor dem Aufbruch ins Unbekannte.

Dem Sprung über den Atlantik in eine nochmal ganz fremde Welt.

Ganz bald…

Bis dahin genieße ich noch ein paar Tage meine wunderbare „Tankstelle“…