Ein Monat Mexiko…

Kennst Du das?

Die ersten Tage an einem fremden Ort, in einem fremden Land. Die ersten Tage in einer neuen Firma usw….
Alles ist neu und aufregend. Du tust ganz viele Dinge zum ersten Mal an diesem Ort und vielleicht sogar in Deinem Leben.

Zeit. Was IST Zeit?

Auf jeden Fall vergeht „Zeit“ immer „anders“ in diesen besonderen Momenten des Lebens.

Ich erinnere mich noch, als ich wenige Stunden, nachdem ich mein erstes Kind zur Welt gebracht hatte, mit dem Kind im Auto saß und durch die Windschutzscheibe die Welt betrachtete. Ich war tatsächlich ein bisschen fassungslos, weil die Menschen einfach wie immer zur Arbeit oder sonst wohin unterwegs waren…MEINE Zeit, mein Zeitgefühl war das von einem ganz anderen Stern.

Je mehr ein (neuer) Alltag Einzug hält und (neue) Gewohnheiten dann wieder das Leben bestimmen, desto schneller scheint auch die Zeit wieder zu vergehen.

Ja und in diesem Sinne blicke ich zurück auf einen ganzen Monat hier in Mexiko und bin erstaunt.
(Ich liebe es übrigens erstaunt zu sein. Hatte ich das eigentlich schon erwähnt??? 🙂

NATÜRLICH hatte ich irgendwelche Vorstellungen, Wünsche und Erwartungen…

Ich nehme sie wahr und bin dann ganz gut in der Lage, die tatsächliche Situation einfach so zu erleben.
Ohne viel zu vergleichen, zu bewerten o.ä.

Ach, ja…ich bin ja ganz sicher: mein Leben liebt mich! 🙂

 

Wie erlebte ich denn nun Mexiko, Land und Leute in meinem ersten Monat hier?

 

Gestartet bin ich sozusagen auf dem „Touri-Treck“: CANCUN, PLAYA DEL CARMEN, TULUM, ISLA MUJERES.

Und den ersten Menschen, Orten, Landschaften bin ich als Touristin begegnet bzw. wurde ich so gesehen.
Und das bedeutet ganz eindeutig: ich wurde als „Einnahmequelle“ betrachtet und das war’s.

                                    

Vor jedem Geschäft stehen…also in Hamburg heißen sie „Koberer“… die Türsteher, die versuchen zahlende Kundschaft ins Geschäft/ Restaurant hineinzulocken.
Und wenn Du 10 mal in 5 Min. am gleichen Laden vorbeigehst: sie sprechen Dich JEDESMAL an…

Womit ich eigentlich auch gleich beim nächsten Punkt bin: die Preise grenzen teilweise ans Unverschämte.

Auf der anderen Seite: wann immer ich jemanden ansprach und um Hilfe bat, waren alle geduldig, zgewand und freundlich. Es scheint, als freuen die Menschen sich, wenn ich mich mit meinem Spanisch so anstrenge und bemühe…
Wahrscheinlich habe ich dabei intuitiv auch immer Menschen angesprochen, die entsprechend offen waren.

Umwerfend auf jeden Fall ist das jadegrüne bis türkisfarbene Meer, der feine Sandstrand überall und – dort, wo es Gelegenheit dazu hat – das üppige Dschungelgrün.

Ach, ja…an der „Maya Riviera“ ist übrigens gerade Nebensaison und ich mag  mir gar nicht ausmalen, was hier in der Hochsaison so los ist!!

…und noch ein Strand?

knapp zwei Wochen bin ich nun ganz im Norden von Yucatan. Ungefähr dort, wo sich der Golf von Mexico zum Atlantik ganz öffnet.

In El Cuyo.

Ein kleines Fischerdorf auf einer Sand-Halbinsel.

Lange, ziemlich leere Strände.

Ich glaube, die einzige Straße, die asphaltiert ist, ist die Hauptstraße, die über den
Damm in den Ort hineinführt.
Ansonsten: Sandpiste.

Ich bin nicht sicher, ob es eine Tankstelle gibt? Einen Geldautomaten jedenfalls hat dieses Örtchen nicht.

Dafür eine „Pescaderia“, wo ich zögerlich am Wohnzimmer anklopfe und höflich frage, ob denn offen sei?
Wenn dann „Si, si!“ geantwortet wird, darfst ich sagen, was ich möchte und schon sitze ich draußen vor einem frischzubereiteten, MEGA Ceviche-Berg auf meinem Teller und kann mein Glück kaum fassen!!!

Es gibt keinen Supermarkt, aber eine beachtliche Anzahl (für den kleinen Ort!) von gaaanz kleinen Mini-„Tiendas“, zwei oder drei Bäckereien, einen Schlachter und zwei „Frutas y Verduras“…

Nun ja…jeder Laden hat im Grunde genau die gleichen Dosen etc. stehen.

Das Gemüse und Obst ist keinesfalls „EU-konform“ und seeehr geschmackvoll und lecker.

ich habe schon „Tomatillos“ probiert: grüne Tomaten und ein Gemüse, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe. Es ähnelt einer Birne und wird wie Kürbis verwendet.

Es ist hier in den Geschäften ziemlich dunkel…keine Beleuchtung innen, in den eigentlich nur Kiosk großen Verkaufsstellen.
Auf einem meiner ersten Einkaufs-Fischzüge schlendere ich also konzentriert an den 1-2 Regalen entlang (Achtung! Sonnenbrille abnehmen! :-))) und bin auf der Suche nach einer kleinen Flasche Olivenöl.
Als ich das Regal ganz innenliegend umrunde, stehe ich auf einmal mitten im Familienmittagsessen.
Mehrere Erwachsene und Kinder sitzen rund um einen Plastik-Campingtisch.

Ich habe mich ziemlich erschrocken und dachte im ersten Moment, ich sei „falsch abgebogen“ irgendwo und in die Privaträume geraten. Ich habe mich entschuldigt und wurde daraufhin kurz irritiert bestaunt und dann ließ man sich einfach nicht weiter stören…

Das Olivenöl befand sich dann tatsächlich genau im Rücken der Großmutter(?) und sie drehte ihren Stuhl einfch ein bisschen, um mir noch Tipps zu geben, welches das Beste sei. Es war NICHT das Teuerste…

Bei einem anderen Einkauf hatte ich eigentlich nicht die richtigen Tortillachips gefunden und mich dann für eine andere Sorte entschieden. Irgendwie hatte die Frau des Ladeninhabers das wahrgenommen und pflugs kam sie herum um den Verkaufsthresen. Sie rief: „No-no!“ und zog mich quer durch den Laden zu einem weiteren Regal mit Tortillachips. Sie war dann genauso happy, wie ich, als ich dort meine Lieblingssorte wiederfand!!!

        

 

 

…und dann kam ein Pulpo…

Nein, der Pulpo begegnete mir nicht beim Schwimmen.

Er wurde mir auf einem großen Brett, zusammen mit kleinen, gesalzenen Kartöffelchen und einem gemischten Salat „dargebracht“. Also…der Pulpo…im GANZEN.
Ich musste sofort an diesen großartigen Film „Die Krake – mein Lehrer“ denken und mein Appetit war schlagartig verflogen.

Ich habe ein bisschen Anlauf genommen und zwischendurch immer mal wieder den Schwur geleistet, dass ich NIE WIEDER in meinem Leben Pulpo essen werde.

Es hat am Ende einfach nur GROSSARTIG geschmeckt.
Und dieses Gefühl: „DAS solltest Du nicht essen!“ ist – zumindest bis heute – geblieben.

    

Am nächsten Tag habe ich das Cafe NAIA entdeckt und den spontanen Beschluss gefasst, mich hier einmal durch die gesamte (nicht sehr große) Speisekarte zu futtern.

Ich arbeite dran. 🙂

Das Schönste aber ist:

                        

Einkaufen und Essengehen macht hier auch noch Spass, wenn die Rechnung kommt!

 

Es ist seeehr ruhig und die Menschen – besonders bei den Jugendlichen fällt mir das auf! – sehr höflich.

Es sind Reisende hier unterwegs. Wie ich halt…und es leben auch etliche Ausländern hier.

Vorgestern sprach mich ein Mexikaner an, nachdem wir uns im Vorbeigehen (wie üblich) mit „Buon Dia“ gegrüßt hatten, ob ich nicht auch Deutsche sei?
Er fragte dann (auf Englisch), warum denn so viele Deutsche gerade hierher kommen würden? Wie ich denn hierher gefunden hätte?
Ich konnte ihm ja nur von MIR und meinem Weg erzählen und hatte keine allgemeine Antwort auf seine Frage . Er sagte, dass in den letzten Wchen immer mehr Deutsche und auch Österreicher hier ankommen würden.

Interessant…

Ja, und am gleichen Abend dann habe ich ein Auto mit deutschem Kennzeichen hier gesehen…und gestern beim Lunch einen Österreicher getroffen, der schon seit März hier lebt.

Ich kann das gut verstehen und überlege, ob ich im Februar 2022 vielleicht nocheinmal für eine Woche hier er komme…

Aber  das ist ja noch soooo lange hin!

Jedenfalls von HEUTE aus betrachtet :-)))