Jetzt bin ich Hausbesitzerin… 🙂

Oder besser eine HausbesEtzerin?

Auf jeden Fall: nichts Ungesetzliches…aber-und:  MIT Haus.
Genau genommen mit einer „Casa Maya“…

 

Nach all dem Touristentrubel…

 

…zwischen CANCUN, PLAYA DEL CARMEN, TULUM und der wirklich WUNDERSCHÖNEN „Isla Mujeres“ hatte ich großes Verlangen nach Beschaulichkeit, mehr Ruhe und einem noch anderen Kontakt und mehr Nähe zur Natur, dem Land und den Menschen hier.

Das mit „Kontakt und Nähe zu den Menschen“, hat sich dann sofort und ganz anders realisiert, als ich gedacht hatte… 🙂

 

Ich habe mir ja vorgenommen, wann immer möglich und einigermaßen sinnvoll, den Bus für meine Überlandfahrten zu benutzen und so langsam lerne ich auch mich durch die Fahrpläne zu fräsen.
Fahrpläne bis zur nächsten, größeren Provinzstadt. Und dann? Wie komme ich nach El Cuyo? Den nächsten Strand, den ich mir ausgesucht habe?
Die Kurzversion und Antwort auf alle meine Fragen ans Universum diesbezüglich heißt:

 

Colletivo

Wenn ich also schon die Stadtbusse in CANCUN abenteuerlich fand, dann hatte ich damals aber noch keine Vorstellung davon, was ein ECHTES „Collectivo-Abenteuer“ ist!

Ich frage mich also so durch die Gegend und lande an einer Straßenecke. Ein alter Mann spricht mich an (er hat wohl gehört, dass ich auf der anderen Straßenseite nach „El Cuyo“ gefragt hatte) und als ich auf seine Frage „Si!“ antworte, zeigt er,mir, dass ich mich mal gleich zu ihm und seiner Frau auf den Kantstein an den Straßenrand setzen soll und er nun also beabsichtigt mich unter seine Fittiche zu nehmen…

Ich packe mein letztes Essen aus und teile mit ihm und seiner Frau meine beiden Mandarinen. Sie überlässt das Sprechen ihrem Mann, aber ihre Augen blitzen fröhlich. Aaaah…

 

…der Bus kommt!

 

Alle springen auf und…es ist der falsche Bus.

Lachen und Gekicher…alle Wartenden (ca. 15 Personen!!!) setzen sich wieder bzw. ziehen sich wieder in den Schatten der Hauswand zurück.

Kurze Zeit darauf erscheint der nächste, NOCH ältere und hinfälligere Bus.

Oben links auf der Windschutzscheibe stand vielleicht einst, von Hand geschrieben, irgendetwas zu Ziel, Bestimmung oder…vielleicht auch, dass der TÜV dieses Fahrzeug zur Verschrottung empfohlen hat.
Egal, was auch immer … heute kann sich keiner mehr zusammen reimen, was dort wohl einst gestanden haben könnte.

Aber ich kenne mich ja nun aus hier und habe „Begleitschutz“. 🙂

Mein nächstes wiederum rein „deutsches“ Problem: der Bus ist voll. Ich korrigiere: SEHR voll!
Alle Sitzplätze sind belegt und es stehen schon viele – in Worten: VIELE – Menschen im Bus stehen, als er vor uns anhält.

Der kleine, alte Mann möchte meinen Koffer in den Bus tragen und 2-3 junge Männer gewähren mir höflich den Vortritt. Letzteres nehme ich mal ganz gerne und sehr dankbar an, weil ich befürchte, dass hier ohnehin nicht alle von uns noch in diesen Bus reinpassen werden…
Ich hoffe jedoch, dass mein netter Bechützer mich bzw. meine Beweggründe richtig verstanden hat, als ich das Koffertragen höflich abgelehnt habe. Er ist mindestens einen Kopf kleiner als ich…und wahrscheinlich 20 Jahre älter. Da kann ich ihn doch nicht meinen Koffer tragen lassen! Obwohl es vielleicht auch eher ein Köfferchen ist…
Ach, Schei…“Emanzipation“! :-))))

 

OJEH.

 

Als ich im Bus stehe, mein Köffechenr zwischen den Beinen (damit es nicht umfällt beim Bremsen – obwohl: hier fällt bestimmt GAR NICHTS mehr um. Auch nicht beim Bremsen…), eingezwängt zwischen einer jungen Frau und einem amerikanischen Rucksack Traveller, versuche ich mich zu erinnern, was Google Maps gesagt hatte: „WIE weit war es mal noch von Tizimin nach El Cuyo?“

Und dann war es doch viel entspannter, als zunächst befürchtet.

Alle Fenster, alle Türen des Busses stehen permanent offen und es ist angenehm temperiert. Die Menschen wahren irgendwie ihren Raum, sind aber sehr höflich und freundlich miteinander. Und auch mit mir. Ich beobachte Mütter, die mit 2-3 Kindern auf nur zwei Sitzen verteilt, schlafen. Eine Frau mit einem vielleicht 5 Jahre alten, schlafenden Kind in den Armen (RESPEKT für diesen Kraftakt!) steigt ein und der ganze Bus ruckelt sich zurecht, bis ein junger Mann, der aufstehen musste, weil seine Frau ihn hochgescheucht hat :-), um einen Sitzplatz frei zu machen, auch einen Stehplatz gefunden hat, wo er noch ausreichend ein- und ausatmen kann…

Drei Reihen vor mir ein Pärchen, das eher unruhig und gestresst wirkt.

Gegen Ende der Reise, die letztendlich gut 1,5 Std. dauert, erfahre ich, dass es Deutsche sind.

Sie fragen MICH, ob ich nicht den Busfahrer fragen könnte, wo wir in El Cuyo aussteigen sollten. Ich würde doch wohl so gut Spanisch sprechen… :-)))))
Ich glaube, so blöd habe ich lange nicht aus der Wäsche geschaut!

Aber „Auf! Denn!!!“ Ich habe also einen Ruf zu verlieren! 🙂 🙂 🙂

Ich kommuniziere zwar mit den Menschen und komme so durchaus „zurecht“, aber ich spreche eben nur wenige Sätze und Worte Spanisch. Bisher. Das soll sich ja (ich sagte es schon, oder???) noch ändern…

 

Gut beschützt

 

Die Frontscheibe des Busses hat eine große „Spider-App“… Mitten über der Scheibe hängen tatsächlich gleich ZWEI Jesus-Kreuze. Doppelt hält wohl besser und ich gehe mal sehr davon aus, dass diese beiden, armen …Angenagelten…auf jeden Fall Schlimmeres, als besagte „Spider-App“, bisher verhindert haben.

 

Der Busfahrer kannte übrigens jedes einzelne Schlagloch und jede einzelne verkehrsberuhigende Bodenwelle mit Vornamen und hat uns (inklusive aller Schlafenden!), sehr sicher und vorsichtig hinüber transportiert!

Respekt.

Zwischendurch haben wir einige Male in kleinen Dörfern gehalten und ich habe zum ersten Mal ein wirkliches Maya Dorf gesehen: traditionelle Maya Hütten mit Schildern im Vorgarten wie „hier gibt es Internet!“. Oder „Wir verkaufen kalte Coke!“…

Ich bin sehr beeindruckt von dieser fremden Welt. Abgesehen davon, dass mir meine Handykamera in solchen Momenten überhaupt nicht in den Sinn kommt, fühlt es sich irgendwie nicht gut an, Menschen und ihr Zuhause einfach so zu fotografieren…

 

Nach knapp einer Stunde Busfahrt…

 

…hat sich der Bus soweit geleert, dass ich für den Rest der Fahrt einen Sitzplatz habe.

Der Busfahrer hat uns dann auch tatsächlich an der passenden Stelle raus gelassen und ich habe mich auf die Suche nach meinem Zuhause für die nächsten 3 Wochen gemacht.

Uuuuund eine … „eigene“…

…Casa Maya gefunden!

Oben AUF diesem festen Steinhaus, mit großem Balkon und Blick auf’s Meer…
DAVON hatte ich doch in Deutschland geträumt!

Das Haus erinnert mich an die Hütten, die wir als Kinder im Wald gebaut haben. Und an die „Kinder-Spielhäuser“, die es gibt.

Unter einem tief herabhängenden Dach von Kokosblättern(?) ist es zwar „geschlossen“.
Aber irgendwie auch offen.
An viele Stellen sind von Innen Mosquitonetz angebracht, aber eigentlich geht die Luft (nicht der Wind und auch kein Sturm! Wie ich auch bereits erfahren durfte) einfach durch das Häuschen hindurch…

Und deshalb ist das Bett auch ein Mosquitonetz-Himmelbett!

Es ist klein und sie ist etwas dunkel, die Casa… daber ich bin immer wieder in diesem Bild und in meiner Kindheit: es ist wie im Kinderhaus, oder in einer selbstgebauten Höhle zu leben.

Allerdings mit elektrischem Licht (aber Kerzen gibt es auch!!!), einem Kühlschrank, einer Dusche, Kaffeemaschine und Gasherd.

Übrigens, das Schlafen unter einem Mosquitonetz will auch ein wenig geübt werden…morgens um halb fünf auf dem Weg zum WC…Aber keine Angst: ich habe den Ausgang aus dem vermeintlichen Labyrinth von Stoff noch rechtzeitig gefunden!!!

Und so nach 3 Nächsten…fühle ich mich nun also ganz glücklich und … als: Hausbesitzerin.

Jawooohl!

Hausbesitzerin auf Zeit halt.

Sogar eine graugetigerte Katze kommt mich hier abends auf meinem Balkon besuchen.

Sie setzt sich dann auf den zweiten Balkonsessel und schläft erst einmal.

Natürlich NACHDEM ich sie ausführlich gekrault habe…

Also…wenn du dir noch einen Stuhl mitbringen könntest?

Dann freue ich mich auch auf einen „Klönschnack“ mit Meeresrauschen und einem gemütlichen Fläschen Bier. Was sagst DU? 🙂