LA PIÑATA

…eine großartige, bunte immer wieder überraschende Piñata ist Mexico. Für mich!

Statt mit einem Stock auf den Stern, oder die Figur aus Pappmasche einzuschlagen und so an die Überraschungen und Süßigkeiten zu gelangen, benutze und empfehle ich allerdings ein herzliches und fröhliches Lachen. 🙂

 

Mexiko verschenkt sich nicht sofort an den Fremden

Man ist mit seinem Leben beschäftigt und beäugt die große Frau mit den leuchtend-weißen Haaren wohl interessiert, wahrt aber sehr respektvoll Abstand.
Die Kinder sind da direkter und starren mich oft mit großen Augen an.
Und ich sehe sehr wenige MexikanerInnen mit grauen, geschweige denn weißen Haaren hier! Auch die offensichtlich schon seeehr Alten, sind meistens noch mit vollem und dunklen Haar gesegnet.
Beneidenswert…
Und überhaupt: die Bevölkerung ist hier insgesamt sichtbar
viel jünger , als in Deutschland.

So betrachte ich also das bunte Leben hier:
das Gewusel der Menschen, ihre Häuser, Fahrzeuge, Gewohnheiten, erschnuppere ungewohnte Gerüche und schmecke fremde Früchte und Gerichte.

Auch eigentlich Bekanntes schmeckt hier oft ganz unerwartet anders, als zu Hause!

Auf einer Speisekarte fiel mir ein Gericht mit Affenfleisch auf…und ich war erleichtert, dass es wohl ein traditionelles Gericht ist, heute aber nicht mehr mit Affenfleisch zubereitet wird.
Tja…die Affen haben wohl so köstlich geschmeckt, dass sie zwischenzeitlich beinahe ausgestorben sind..

Ja, und was passiert denn, wenn die Piñata platzt?

Ich krame in meinem langsam größer werdenden Spanisch Wortschatz und versuche es mit Herzlichkeit und Anlächeln.

Darauf zu warten, dass mir am Busbahnhof jemand hilft meinen Busses zu finden, funktioniert nicht.
Ich bin noch niemals angesprochen worden, ob ich Hilfe benötigen würde. Dafür sind die Menschen viel zu höflich und ja: respektvoll.

Ich gehe also auf jemanden zu und frage direkt um Hilfe, wenn ich z.B. die Durchsagen im Busbahnhof nicht verstehe.

Und dann platzt die Piñata!

Ein fröhliches: „Ich verstehe auch kein Wort!“ wird mir geantwortet. Der junge Mann studiert aufmerksam mein Ticket und vermittelt mir das Gefühl: alles ganz entspannt. Und er wird mir Bescheid geben, wenn es los geht. Bis dahin ist ja noch Zeit für ein englisch-spanisch-Hände-Füsse-und-Herzgespräch…

Nein, wird mir versichert, ich sei keine „gringa“, weil ich doch aus Alemania komme!
Irgendwie scheint das „gut“ zu sein???
Und schwupps gibt es jemanden, der jemanden kennt, der auch schon mal in Deutschland war. Oder der schon mal einen Deutschen getroffen hat. Oder wenigsten weiß, wie ein deutscher Schäferhund aussieht.

Die vielen Geschenke und Köstlichkeiten IN dieser mexikanischen Piñata erlebe ich abe auch nicht zuletzt durch die begegnen mit Deutschen, die hier LEBEN:

Fast zwei Wochen lebe ich jetzt in CATEMACO im „NOMADS SPACE“ von Katharina.

Sie ist einfach nur großartig und eröffnet mir Vieles, was ich alleine nicht, oder doch anders erlebt hätte und erzählt einfach vom Leben in Mexiko.

So habe ich Dank ihr! ein ganz einzigartiges Weihnachtsfest 2021 erlebt.

 

Weihnachten…


Zusammen mit  Ana, einer mexikanischen Freundin von Katharina haben wir einen besonderen Abend, die Nacht und den Weihnachtsmorgen auf einer Ranch erlebt.

                             

Die ursprüglichen Bewohner dieser Region hier sind Olmeken. Spuren Olmekische Kultur finden sich bereits 2.000 v.Chr. und sie waren eine, wenn nicht DIE Elternkultur aller späteren mesoamerikanischen Kulturen.
Sie waren eine hochentwickelte Zivilisation, die vel mehr Fragen aufwirft als beantwortet und lebten ganz im Einklang mit der Natur und ihrer Umwelt, dem Wald.

Luis – der Ranchero – hat uns also angeleitet und gezeigt, wie wir uns den Energien und Wesen an diesem Ortes respektvoll und angemessen nähern und vorstellen. Wir haben unsere eigens dafür mitgebrachten Geschenke  im angrenzenden Dschungel abgelegt und uns für die freundliche Aufnahme und die Gasfreundschaft des Ortes und seiner Wesen damit bedankt.

Danach hatten wir ein Reinigungsritual nach der Tradition der  „Medicina traditionale“.
Dafür gibt es u.a. einen besonderen Platz auf dem Ranchgelände:
Einen ovalen Steinkreis mit Ein- und Ausgang. Ein großer Stein in der Mitte ist dann abschließend (nach vorherigen weiteren Reinigungen) barfuß zu umrunden, bevor wir  den Steinkreis dann frei von belastenden und überflüssigen Energien verließen.

Danach habe ich gelernt, was Hunde und Pferde unterscheidet…und wie ich mich mit einem fremden Pferd vertraut mache.

Ich fürchte, die B-Note war echt unterirdisch!…und zum Glück war der Zuschauerkreis ja überschaubar…als Ayna zum ersten Mal ein Pferd bestiegen hat. Obwohl… eine Zeitlang wohnten tatsächlich vier wunderschöne, rote Aras von einem nahegelegenen Baum aus, dem Reitunterricht bei…Die sind viel größer, als ich dachte!!!

Das Pferd – „mein“ Cuervo – tat mir ein bisschen leid: er hatte sichtlich keine Lust mehr. Den ganzen Nachmittag war er schon „beritten“ worden. Und nun auch noch ich…
Immer wenn wir am Ausgang des Corrals vorbeikamen, steuerte er das Tor an.
Da waren dann Führungsqualitäten gefragt! :-)))

Die Sonne verschwand mehr und mehr hinter den Bergen und die Affen im Dschungel verbreiteten ein fürchterliches Geschrei und Gebrüll. Luis erzählte, dass die Familien sichso  zur Nacht „zusammenrufen“ und dass der Morgen genauso beginnen würde…

Eine heilige, jedoch nicht soooo stille Nacht kam aus dem Wald, legte sich auf die Wiesen, den See und verbreitet ihr Licht.

Kerzenlicht natürlich, denn Strom gibt es keinen auf der Ranch.

Auf dem traditionellen Lehmofenherd wurde für uns gekocht und mit einem mexikanischem Bier schmeckte dieser Fisch aus dem See ganz und gar unvergleichlich…

 

So saßen drei Frauen in der Heiligen Nacht im Kerzenlicht und haben sich vom Leben erzählt.

 

 

Das erste Weihnachtsfest in meinem Leben, das ich fern meiner Heimat verbracht habe.

Aber was eugentlich ist HEIMAT für mich? Darüber fühl-denke ich noch immer nach…

 

Kerzenschein, Dschungel und ein mexikanisches Bier dazu…

Ich habe das erste Mal, seit ich Deutschland Ende Oktober verlassen habe, gefroren! So bin ich später ohne mich weiter auszuziehen einfach direkt unter die doppelt-warmen Decken ins Bett unserer „Cabaña“ geschlüpft…und habe wie im Himmel geschlafen.


BIS im Morgengrauen der Himmel  zu poltern begann:
die roten Aras randalierten  dem Blechdach!
So habe ich aber wenigstens nicht das Erwachen der Affen verpasst…:-).

Nach einem Frühstück, dass in Deutschland „Mittagessen“ heißen würde und nach einem leckeren „Cafe de Olla“ (süßer, gewürzter Kaffee, der traditionell im Tontopf auf dem Lehm-Holzofen gekocht wird) sind wir dann gegen Mittag auf der Ladefläche des Pick-ups wieder in die Stadt zurückgefahren.

 

Doch die Feierlichkeiten anlässlich des diesjährigen Geburtstagsfestes des Lichts gingen auch zurück in CATEMACO gleich weiter…

Baille de los Viejos

Am Abend tanzten „die Alten“ („Baile de los Viejos“) in den Straßen und zwar in bunten Kostümen von ALLEM, was in Mexico Rang und Namen hat:
Jaguare, Aztekenkönige, Pferde, Aras, Santa Claus!!! u.v.m. …
Und natürlich
Männer und Jugendliche als „Alte“  (Frauen) verkleidet, mit besonders ausladenden Hinterteilen und Oberweiten. Sie tanzten im Rhythmus von Marimbaphon und Trommeln auf den Straßenkreuzungen…
Am Ende des Zuges dann die „Verpflegungsstation“ mit Getränken im XXXXL Format und Chips in allen Farben und Formen.

Dieser Zug wiederholt sich dann – wenn ich es richtig verstanden habe – jeden Abend bis zum 02.01.

 

Weihnachten, wie auch Silvester sind in Mexiko Familienfeste und die ganze (meist sehr große!) Familie kommt zusammen.  Sollten die kleinen Laden-Geschäft-Werkstatt-Wohnungen womöglich nicht allen angereisten Familienmitglieder Platz bieten, dann werden eben noch ein paar Plastiktische und -stühle auf die Straße vor das Haus gestellt. Also WIRKLICH auf die Straße!
Das ist auch so schön kommunikativ und wenn du Glück hast und nett bist, wirst du im Vorbeigehen
auch noch zum Tequila eingeladen…

 

So stehe ich mit offenem Mund und sammle die vielen Überraschungen und „Leckerheiten“ ein, die dieses große, vielfältige und in vielen Dingen auch sehr gegensätzliche, widersprüchliche Land – diese BUNTE PIÑATA…- mir schenkt.


Mein Leben liebt mich. Aber das hatte ich glaube ich schon erwähnt? :-))))