REISEN…und ALLEIN unterwegs???

Das ist ja interessant: Seit einigen Tagen bin ich in TULUM, ein kleines Stück südlich von CANCUN und lebe hier mit zwei ganz wunderbaren Freundinnen in einem großen, schönen AirBnB-Appartment.
Und gerade hier und jetzt denke ich nun über meine Antwort auf die Frage nach dem „ALLEINE reisen“ nach…

TULUM

TULUM ist mit wunderschöner Küste, Strand und Umgebung gesegnet.

Und mit allen Facetten des Massentourismus.

Feinster, weißer Sand, jade-grünes, glasklares Wasser in Badewannentemperatur. Überall, wo der Mensch gerade nicht eingreift, breitet sich üppig-grüner Dschungel aus.
Touristen, überwiegend jüngeren Alters und in unterschiedlichsten Bräunungsgraden schlendern am Strand, schieben sich die Hauptstraße rauf und runter, brummen auf Rollern über die holperigen Straßen.

Ja, und dann stehen und patrouillieren überall diese gutaussehenden, jungen Männer (und Frauen!) in sehr hellen „Dschungel-Uniformen“: Guardia Nacional…(Mexikanische Nationalgarde).
Militärfahrzeuge mit Soldaten in voller Kampfmontur (das muss heiß, wie in der Hölle sein!), Maschinengewehre einsatzbereit in den Händen. Wachsam und hochkonzentriert wandern ihre Blicke. In TULUM herrscht einen Bandenkrieg zwischen zwei(?) rivalisierenden Gruppen. Nachdem vor wenigen Wochen zum ersten Mal Touristen in die Schusslinie geraten waren, musste der Bürgermeister nationale Sicherheitskräfte zur Verstärkung anfordern.

Fühle ICH mich dadurch sicherer, oder beunruhigt es mich eher an die Gefahren hier so massiv erinnert zu werden?
„Touristen“ sind hier die Lebensgrundlage der Bevölkerung und damit auch aller rivalisierender Banden und die Gewalt richtet sich ganz sicher nicht auf bzw. gegen diese.

UND!

In den kleinen, einfachen Taquerias sitzen wir unter schattenspendenden Bäumen und essen die lecker-lecker-leckersten Tacos überhaupt (also ICH jetzt!). Die Menschen sind freundlich, geduldig (mit meinen fast nicht vorhandenen Spanischkenntnissen) und ich fühle mich sehr wohl und…friedlich. Irgendwie.

Paradox? Ja. Eine Welr voller einzelner Blasen, die Welt konzentriert im Kleinen und alles gleichzeitig und nebeneinander.

Spanisch…

Spanisch spreche und verstehe ich nur sehr, sehr wenig (bis JETZT!!!) und schicke also immer erst mal ein freundliches und herzliches Lächeln voraus. Das funktioniert meistens super! Wir lächeln uns an und der Kontakt von Herz zu Herz ist jenseits aller Worte angebahnt. Alles andere dann mit Spanisch-Englisch, Gesten und Google Translate, was zum Glück auch offline funktioniert.

Ich versuche mir vorzustellen, zu fühlen, wie die Menschen, die ich sehe und denen ich begegne hier leben? Wie der super adrette, saubere Taxifahrer Abends nach Hause kommt zu seiner Familie und ob er das Leben wohl leicht oder schwer findet? Was seine Freuden und seine Sorgen sein mögen?

 

Und…was ist mit der Angst?

Habe ich Angst hier zu sein und mich zu bewegen?
Das kann ich so nicht sagen. Und doch fühle ich mich auch nicht so wirklich „frei und unbefangen“ hier. Habe meine inneren Antennen besonders hochgefahren, beobachte meine Umgebung mehr als sonst. Und ich vertraue meinem inneren Navi. Sobald ich irgendwo ein „komisches“ Gefühl habe, verlasse ich den Ort. Ganz ohne rationalen Erwägungen.

DAS tue ich übrigens überall auf der Welt.

Außer in zuhause in Hamburg, dort bin ich nicht so wachsam, weil mir alles vertraut und „alltäglich“ erscheint. Und auch dort habe ich mich schon am Altonaer Busbahnhof zwischen schwarz-vermummten Molotow Cocktail Werfern wiedergefunden. Und auch dort hatte ich dieses ganz klare und beruhigende Gefühl: die meinen nicht mich. Und gleichzeitig war ich total geschockt in die Augen dieses Hasses und diser Gewalt zu schauen.

WAS in mir jedoch passiert ist in diesen Tagen in TULUM:
ich fühlte mich eine ganze Weile erstmal „sprachlos“.
Diese vielen und ganz und gar gleichzeitigen „Welten“ und „Realitäten“ muss ich erst einmal verdauen…

Ist es gefährlich (als Frau) ALLEINE zu reisen?

Grundsätzlich ganz sicher nicht, auch wenn es Ländern und Orte geben mag, wo das der Fall ist. Ich denke da an Länder, in denen Frauen schon traditionell wenig Rechte haben und in vielen für eine Europäerin „normale“ Situationen deutlich gefährdet sind.

Ich informiere mich gut, wo – an welchen Orten – ich mich rundum wohlfühlen könnte und nur diese Ziele wähle ich für mich.

Abgesehen davon, dass ich ohnehin IMMER meinem Herzen folge und mich im ersten Schritt „hinziehen“ lasse, bevor ich aktiv meine Reise organisiere…

Allein und einsam in der Welt unterwegs?

AlleinSein und EinsamSein nichts miteinander zu tun. Aber auch mal so GAR NICHTS.

Es gibt Menschen, die fühlen sich in einer Beziehung unendlich einsam, obwohl sie fast nie alleine sind. Und natürlich habe auch ich Momente, in denen ich mich einsam und – wie sagt man dann so treffend: „mich von aller Welt verlassen fühle.“ Ich habe für mich gelernt, dass dieses Gefühl allerdings rein gar nichts damit zu tun, wo und in welcher Umgebung ich gerade bin.

Einsamkeit entsteht in mir. Und nur IN mir gehe ich damit um.

Mit dem „AlleinSein“ zu spielen hilft enorm dabei! Das Wissen, dass ich nicht nur gut alleine mit mir sein kann, sondern es auch brauche und liebe (alles im passenden Maß natürlich!), hilft die eigene Einsamkeit auszuloten und mutig zu durchschreiten.

So suche ich unterwegs immer ganz bewusst Kontakt und eine gewisse Anbindung an Menschen vor Ort und auch Menschen, die ebenso unterwegs sind wie ich.

Es ist ja nicht so, dass ich alleine in der Wüste unterwegs wäre…(Meistens jedenfalls nicht! :-)).

ÜBERALL sind Menschen. Sie leben hier, sprechen vielleicht keine Sprache, die ich verstehen könnte, aber wenn ich nicht WILL, bin ich nicht alleine. Und „Herzssprache“ geht IMMER und überall!

Die Frage ist vielleicht, was du glaubst…ob Menschen grundsätzlich gefährlich sind für mich?

Ich habe mir diese Frage nie gestellt, weil ich WEISS – schon immer wusste – dass es überall hilfsbereite und herzliche Menschen GIBT.

Natürlich gibt es auch „andere“…keine Frage! Aber da vertraue ich mir, meinem Herzensnavi und meinem Leben…

Vertrauen…

Ich schaue vom Notebook hoch und da lächelt es mir zu. „Aber, ja…natürlich…DU bist jetzt dran!“:

Das Vertrauen. Vertrauen ins Leben. Vertrauen in MEIN Leben… Das lässt sich wunderbar lernen auf Reisen!

Nicht nur in TULUM…

Und natürlich MUSST du dafür nicht reisen. Es gibt so viele Wege immer mehr noch ins Vertrauen zu finden, wie es Menschen gibt und kein einziger dieser Wege ist besser, oder schlechter.

Wenn DICH aber auch das Reisen und seine Abenteuer locken…
…dann treffen wir uns vielleicht irgendwann – irgendwo auf diesem wunderschönen Planeten…
…auf einen Kaffee??? 🙂