Herzensreise_2019

Chicago Blick vom Willis Tower

Chicago.

Nein: CHICAGO.

Noch besser! CHICAGO!!!

Ein  ganz eigenwürdiger Tag.

Mein erster Tag in Chicago, dieser Riesenmetropole am Lake Michigan. Drittgrößte Stadt in den USA und eine Metropolregion mit fast 10 Mio. Einwohnern. Klar, dass die da in die Höhe bauen müssen! 🙂

Down Town, das Zentrum ist dabei allerdings relativ übersichtlich dabei und lässt sich gut zu Fuß erlaufen. 

WENN Chicago nicht gerade in den Wolken schwimmt und die Schneeflocken alles durcheinander blasen!

Tatsaechlich sind die Spitzen der großen Skyscraper im Nebel verschwunden und alle Farben verschwimmen zu nebelgrau. Wie oben, so unten…Ich denke mir: „So, Du zeigst mir also die kalte Schulter? Aber ich lasse mich doch nicht abschrecken. So ein bisschen Wintereinbruch…“

Und nach knapp 2 Stunden gebe ich nass vom Schnee und vor Kälte zitternd auf und rette mich in eine Shopping Mall.

Heißer Kaffee und German Pretzels heben die Stimmung.

Ein wenig.

Ich bin doch ein bisschen enttäuscht und es bleibt – zumindest für diesen ersten Tag: nur eine vage Ahnung davon, wie und was diesStadt tatsächlich ist.

Nach Innen!

Ich gehe also ins Museum und lese und erfahre mich durch die Geschichte und die Besonderheiten dieses Ortes. Sozusagen „second hand“, oder? Einfach und ohne Hindernisse ist auch DAS allerdings nicht, denn gleich zweimal nacheinander gibt es einen kurzen Stromausfall. Wenige Sekunden jedes Mal, aber ich bin mal wieder überwältigt von der Freundlichkeit und Aufmerksamkeit der Menschen: „You okay, Madam?“

YES. I. AM..

Vielleicht MAG diese Stadt mich nicht???

Chicago ist eine Stadt mit einer sehr kraftvollen Geschichte

Und wirklich Vieles hat von hieraus seinen Weg in die Welt genommen: zum Beispiel die Antibabypille. Auch für die erste Atombombe wurde hier mit Hochdruck geforscht und wesentliche Grundlagen geschaffen.

Na, ja.

Was aus den Pelzhändler des 18.Jahrhunderts so alles geworden ist!

Ich hätte übrigens auch direkt von Hamburg mit dem Schiff anreisen können: über die großen Seen nach Nord-Westen hinauf gibt es eine Wasserverbindung zum St. Lorenzstrom und den Atlantik.

Wahrscheinlich hängt die Tatsache, dass Chicago zwar am Wasser liegt, aber irgendwie doch nicht…d.h. es wirklich weit ist bis zum Atlantik auch entfernt damit zusammen, dass Chicago heute nicht Hauptstadt der USA ist. Innerhalb des Nordamerikanischen Kontinents jedoch, ist und war Chicago schon immer DER wesentliche Knotenpunkt für Handel, die Eisenbahn und damit auch für den Treck nach Westen.

Das ist ja alles spannend, aber…

mein Körper sagt mir inzwischen sehr deutlich, dass es spät ist. Seeehr spät. Was nicht stimmt, aber die Zeitverschiebung macht sich bemerkbar. 

Es schneit mittlerweile so lustig, als ich mit der „L“ (das ist die Subway hier, die nur in wenigen Bereichen tatsächlich unterirdisch fährt) um die in den Wolkenhimmel ragenden Hochhäuser herum durch den inneren Stadtkern fahre. Als mir durch den Kopf schießt: “Es sieht aus, als könnte ich Weihnachten verpassen…“ muss ich grinsen und weiß, dass ich sogar NOCH müder bin…

„L“ kommt übrigens von „elevated“ und daher, dass die Bahn sich wie ein Wurm über den Köpfen der Menschen und auf metallenen Pfeilern durch die Stadt schlängelt. Natürlich angemessen rumpelnd und quietschend. Ich wollte eigentlich zwei Runden im Inner Circle fahren und einfach nur vom Warmen aus gucken, aber der Zug steht mehr, als das er fährt. Die Bahnsteige quellen über vor Menschen, die alle nach Hause wollen.

Und ich doch auch jetzt und es ist mir auch egal, ob ich denn nun in Chicago bin oder irgendwo in einem Wolken-Raumschiff. Hauptsache das Bett ist weich und gemütlich….

Yesterday, all my trouble…

Während des langen Fluges über den Atlantik habe ich den Film „Yesterday“ gesehen. Ein toller Film! Und genauso erlebe ich es nun auch:

am nächsten Tag ist alles anders.

Die Welt ist gepudert mit Schnee, die Sonne scheint und die Luft ist so klar und frisch, wie in den Bergen zur Skisaison:

„Here comes the sun! Little darling…“ summt es in mir, als ich mit meinem Koffer aufmache zur Union Station.

Ich erkunde diesen RIESENBAHNHOF erstmal und bringe in Erfahrung, wie das Bahnreisen hier ueberhaupt so funktioniert. Den großen Koffer kann ich kostenlos aufgeben und werde ihn – hoffentlich! – gut 30 Stunden in Albuquerque wieder in Empfang nehmen können.

Ich laufe noch ein bisschen durch Down Town, am Chicago River entlang und genieße das Treiben in den Straßen. Zwischendurch blicke ich, noch IMMER ein bisschen ungläubig die hohen Häuserfronten nach oben. Was mich interessiert sind nicht die Glaskästen, sondern die älteren mit Ornamenten und Verzierungen. Sehr hübsch! Was mir ein flaues Gefühl im Magen verursacht ist die Vielfalt dieser Ornamente, Zeichen und Symbole. Freimaurer- und anderer Zeichen darunter.

Die „wirken“. Irgendwie. SPANNEND!

 

Und der Willis Tower hat eine Besucherplattform. Gaaanz oben. Mit Glasbalkonen, auf denen man ziemlich aufgeregt (also ich jetzt…) ins „Nichts“ hinaustreten kann. Rund 400 m über dem Straßenniveau. Unvorstellbar und gar nicht so einfach im ersten Moment. Aber ich habe nur 60 Sekunden…nachdem ich ca. 20 Minuten angestanden habe. Alles gut durchorganisiert und ich lasse mir sagen, dass heute total ruhig sei. Im Sommer, wenn high season ist, kann es auch schon mal 2 Stunden oder mehr dauern…

Okay, beim Ticketkauf stehst Du auch IMMER an. Und beim Fahrstuhl, der Dich in knapp 60 Sek. Bis ganz nach oben bringt auch.

Hat noch jemand Lust???? 

Die Aussicht und der Überblick, den ich hier genieße, ist das blöde Anstehen allerdings wirklich wert.

Auf der Ostseite sehe ich die Union Station, den großen Bahnhof, wo in 2,5 Std. mein Zug, der Amtrak Southwestchief gen Los Angeles abfahren wird.

Aber vorher stärke ich mich doch noch mit einem Hot Dog „Chicago Style“. DEN ich aber, im Gegensatz zu meinem Zug, gut hätte verpassen können….

Falls ich ihn jetzt also noch rechtzeitig finde – meinen Zug – dann kann das naechste Abenteuer beginnen.

Was ich DA aber tatsaechlich in den naechsten 26 Stunden alles erleben wuerde, DAS haette ich mir nicht einmal im Traum vorstellen koennen!